Programm des Filmclub
bis zum 20. Mai
Mittwoch, 22. Mai 2013, 19 Uhr
Thomas Brasch – Der Passagier – Welcome to Germany
(BRD/CH/GB 1987/1988) | 98 Min.
Der jüdisch-amerikanische Regisseur Cornfield versucht durch den Dreh eines Dokumentarfilms in Deutschland über ein Nazi-Filmprojekt sein persönliches Holocaust-Trauma zu überwinden: 1942 musste er gemeinsam mit anderen KZ-Häftlingen in einem antisemitischen Film der Nazis mitwirken und verschuldete durch einen Verrat den Tod eines Freundes.
Programm des Westfälischen Kunstvereins
Filmreihe zur Ausstellung
Kuratiert von Eric Baudelaire
Schloßtheater, Melcherstr. 81, 48149 Münster
Eintritt 6,- / für Mitglieder 4,-
In Kooperation mit dem Filmclub Münster lädt der Westfälische Kunstverein zu einer begleitenden Filmreihe ins Schloßtheater ein, die der französische Künstler Eric Baudelaire kuratiert hat. Sein Film „The Anabasis of May and Fusako Shigenobu, Masao Adachi and 27 years without images“ (2011) wird am 21. April den Auftakt hierzu darstellen. Unter dem Titel „Far from Homes“ päsentiert Baudelaires Reihe drei weitere Filme, die mit unterschiedlichen Strategien und Intentionen das Konzept von nur einem Zuhause in Frage stellen.
Sonntag, 21. April um 17 Uhr
Eric Baudelaire
The Anabasis of May and Fusako Shigenobu,
Masao Adachi and 27 years without images,
2011, 66 min., Super8 und HD video
(engl. OF)
Im Anschluss Künstlergespräch mit Eric Baudelaire
(in englischer Sprache)
Die Anabasis wurde um 370 v. Chr. von Xenophon verfasst. Es handelt sich um ein Geschichtswerk, vergleichbar mit Homers Odyssee, das den „Zug der Zehntausend“ griechischen Söldner durch unbekanntes Gebiet nach Hause beschreibt. Das zugrundeliegende Verb „ana bainein“ meint zugleich „aufbrechen“ und „zurückkehren“. Von Literaturwissenschaftlern wird das Leitmotiv der Anabasis interpretiert als eine Suche nach der Heimat und zugleich dem Entdecken eines Ziels im Neuen und Unbekannten.
Inhaltlich behandelt der Film die Geschichte einer Führungsperson der Japanischen Roten Armee, Fusako Shigenobu, und deren Tochter May, die im libanesischen Exil geboren und aufgewachsen ist. Masao Adachi, ein radikaler, japanischer Filmemacher, lebte ebenfalls für Jahrzehnte im Untergrund in Beirut. Er sowie Fusako Shigenobu werden von den Behörden in ihre eigentliche Heimat Japan zurückgesandt. Eric Baudelaire orientiert sich formal an der japanischen Tradition des „fukeiron“, einer Theorie, derzufolge sich Erkenntnisse aus der Betrachtung von Landschaft ableiten lassen. Auf diese Weise untersucht er formal wie inhaltlich die Bedeutung von geografischer, kultureller und sozialer Heimat.
Mittwoch, 24. April um 18 Uhr
Chris Marker
One Day in the Life of Andrei Arsenevich
2000, 55 min. (engl. Fassung)
Chris Markers Hommage an den russischen Regisseur Andrei Tarkowski ist entstanden als Teil der französischen Dokumentarfilmreihe „Cinéastes de notre temps“ (Filmemacher unserer Zeit) und vereint Szenen aus Tarkowskis Privatleben mit Material vom Set seines letzten Films „Opfer“. Tarkowski litt während der Dreharbeiten bereits an Lungenkrebs im Endstadium. Eine Schlüsselszene zeigt ein Wiedersehen in Paris zwischen ihm und seinem Sohn Andrei Jr., dem eine Ausreise aus der Sowjetunion nur aufgrund der schweren Erkrankung seines Vaters bewilligt worden war. Markers Film ist das Porträt eines sterbenden Mannes, für den die Frage nach Heimat und Zuhause, Geburtsort vs. Wahlheimat ungelöst bleibt und für den das Filmemachen wohl der einzig beständige Zufluchtsort war.
Sonntag, 5. Mai um 17 Uhr
Michelangelo Antonioni
The Passenger
1975, 121 min. (engl. OmdtU)
In Antonionis Film „The Passenger“ spielt Jack Nicholson einen durchgebrannten Reporter, der seine Identität mit einem Mann getauscht hat, den er tot in einem Hotelzimmer in Nordafrika fand. Auf diese Weise glaubt er, dem Chaos seines alten Lebens entfliehen zu können, wird aber bald nicht nur von seiner Frau gesucht, sondern auch von zwielichtigen Fremden. Je mehr er versucht, seinem alten Leben zu entkommen desto mehr spitzt sich seine Situation zu. Er wird mit demselben Schicksal des Mannes konfrontiert, dessen Identität er in der Hoffnung auf ein besseres Leben gestohlen hatte. Trotz des Gefühls der Entfremdung von seinem alten Leben, vor dem er mit der Annahme einer anderen Identität flüchten wollte, muss er feststellen, dass er seiner eigenen Identität, sich selbst nicht entkommen kann.
Montag, 27. Mai um 18 Uhr
Robert Kramer
Walk the Walk
2004, 114 min. (frz. OmdtU)
„Walk the Walk“ ist Dokumentarfilm und Fiktion in einem; er vereint Tagebucheinträge, Reisenotizen und Familiendrama. Der Alltag einer Familie in Südfrankreich gerät aus den Fugen, als die 19-jährige Tochter Raye sich entschließt, ihr Zuhause für einen Selbstfindungstrip durch Europa zu verlassen. Rayes Vater tut es ihr gleich und lässt seine Frau alleine zurück, womit diese sich jedoch überraschend gut arrangiert. Dem Erleben von Heimatlosigkeit und Verlassen-werden wird hier eine positive Wirkung zugeschrieben, eine Chance zu einer konstruktiven Veränderung und dem Finden einer Heimat, einer Identität in sich selbst.
Weitere Informationen zum Programm des Filmclubs finden sie unter:
http://www.muenster.org/filmwerkstatt/filmclub/
filmclub münster
T 0251 2303621
film@muenster.de