Geschichte

Der Westfälische Kunstverein ist einer der ältesten Kunstvereine Deutschlands und genießt internationales Renommee. Bis heute fördert und etabliert der Westfälische Kunstverein junge Gegenwartskunst und hat spätestens seit der Nachkriegszeit wesentlich die Verantwortung für die Nachwuchsförderung der internationalen bildenden Kunst in Münster übernommen. Zahlreiche junge Künstlerinnen und Künstler, die später internationale Anerkennung erfuhren, wurden hier zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Während die Ausstellungspraxis der zeitgenössischen Kunst gilt, liegt der Schwerpunkt der Sammlung auf altwestfälischer Malerei. Die etwa 2000 Werke umfassende Sammlung steht dem LWL-Museum für Kunst Kultur (Westfälisches Landesmuseum) als Dauerleihgabe zur Verfügung. Schon seit 1908 mit dem Landesmuseum verbunden, befindet sich der Kunstverein seit 2013 im Erdgeschoss des Museumsneubaus an der Rothenburg.

Gründung des Westfälischen Kunstvereins und Entwicklung im 19. Jahrhundert

Die Gründung des Westfälischen Kunstvereins fällt in das Jahr 1831, kurze Zeit nach der Entstehung des Düsseldorfer und des Kölner Kunstvereins. Als „Versammlung hiesiger Künstler und Kunstfreunde“ verfolgte man zunächst drei Zielsetzungen: die Bewahrung und Erhaltung des Kunstbesitzes aus aufgelösten Kirchen und Klöstern der Provinz, des weiteren die Stiftung eines eigenen Museums und schließlich die Förderung und Präsentation der zeitgenössischen Kunst.

Die erste Ausstellung der nun in „Kunstverein zu Münster“ umbenannten Initiative fand im Herbst 1832 statt; in der Aula der Akademie wurden mehr als 200 Werke münsterscher Künstler, größtenteils Gemälde und Zeichnungen sowie einige plastische Arbeiten aus verschiedenen Epochen, gezeigt und von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen. 1836 zog der Kunstverein in das erste eigene Ausstellungslokal: die Stadt überließ ihm gegen einen geringen Mietzins den Alten Stadtkeller, einen Renaissancebau des 16. Jahrhunderts, der am Prinzipalmarkt / Ecke Clemens-Ludgeristraße lag. Bis zum Abbruch dieses Gebäudes 1902 wurden dort im großen Saal im Obergeschoss regelmäßig Ausstellungen gezeigt; das Erdgeschoss beherbergte die Gipsabgusssammlung des Vereins und die durch seinen Einsatz gegründete Höhere Zeichenschule bis zu ihrer Schließung 1856.

Die teils labile Situation des Kunstvereins um die Mitte des 19. Jahrhunderts, vor allem aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, beeinträchtigte seine Aktivitäten besonders im Ausstellungswesen, konnte jedoch nach und nach durch publikumswirksame Neuerungen behoben werden: für Mitglieder des 1835 gebildeten „Actien-Vereins“ wurden ab 1840 Verlosungen von angekauften Werken angeboten; hinzu kamen später die sogenannten „Nietenblätter“, meist Grafiken, die jedes Mitglied zum Jahresende umsonst erhielt.

Um dem Publikumsgeschmack entgegenzukommen, konzentrierte man sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf historische und zeitgenössische „Heimat-Kunst“, und die steigenden Ankäufe sowie Spenden ermöglichten dem Kunstverein eine Erweiterung seiner Sammlung, die allerdings in den begrenzten Räumen des Stadtkellers bald nicht mehr untergebracht werden konnte.

Der Kunstverein zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis nach dem zweiten Weltkrieg

Der Umzug in den Neubau des Westfälischen Landesmuseums erfolgte im März 1908, beruhend auf einem Vertrag zwischen Museum und Kunstverein: während letzterer über eine bedeutsame Sammlung altwestfälischer Tafelmalerei verfügte, nicht jedoch über entsprechende Ausstellungsräume, standen diese dem Museum nun offen, doch fehlte ihm ein eigener Kunstbesitz. So ergänzen sich beide Instanzen noch heute, wenn der Westfälische Kunstverein dem Landesmuseum seine Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt, wofür das Museum dem Verein Hausrecht gewährt. Ein Großteil der ausgestellten Mittelalter-Kunst gehört dem Westfälischen Kunstverein und kann auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

In der zweiten Dekade dieses Jahrhunderts, namentlich unter dem Vorsitz Hermann Ehrenbergs, verlagerten sich die Schwerpunkte des Kunstvereins zugunsten des Ausstellungswesens und der Vermittlung von internationaler moderner Kunst. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges lenkte die Themen- und Aufgabenstellungen des Vereins abrupt auf aktuelle Bedrängnisse; 1917 schließlich mussten vorübergehend alle Tätigkeiten eingestellt werden. Nach Kriegsende war der Kunstverein mittellos und zur Versteigerung eigenen Besitzes gezwungen.

Die folgende Zeit war geprägt durch abnehmende Mitgliederzahlen und finanzielle Not, nicht zuletzt aufgrund der lähmenden Weltwirtschaftskrise. Hinzu kamen ab 1933 politische Repressalien: die für März geplante Ausstellung ABSTRAKTE KUNST wurde durch die NSDAP verboten; der Westfälische Kunstverein wurde der Reichskammer für bildende Künste einverleibt. Der Handlungsspielraum des Kunstvereins beschränkte sich auf unverfängliche historische Themen und auf die regionale Kunst; zudem konnte man sich den „offiziellen“, von der NSDAP diktierten Themen nicht verweigern. Ausnahmen dieser Zeit sind eine LOVIS CORINTH- und eine OTTO PANKOK-Ausstellung, beide im Jahr 1935. Mit der Zerstörung der Stadt 1944 wurde auch das Landesmuseum erheblich beschädigt; ein weiteres Mal wurden alle Aktivitäten eingestellt.

Entwicklungen der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre

1946 nahm der Kunstverein seine Tätigkeit wieder auf: zunächst wurden Ausstellungen organisiert, darauf auch die Vortragsreihen wiederbelebt sowie der jährliche Förderpreis verliehen. Die Arbeit des Westfälischen Kunstvereins unter der Leitung von Harald Seiler schloss in der Nachkriegszeit bewusst an das progressive Konzept Ehrenbergs an, dessen Einsatz für die moderne Avantgarde dem Kunstverein erstmals eine bedeutsame Position in der überregionalen Kunstlandschaft erworben hatte.

Doch noch in den 1950ern stieß die moderne Ausrichtung teilweise auf Widerspruch vonseiten des Publikums, so etwa bei der Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag AUGUST MACKES, die 1957 unter der Ägide Carl Bänfers in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum organisiert wurde. Die Orientierung an internationaler zeitgenössischer Kunst verschloss den Blick des Westfälischen Kunstvereins jedoch nicht vor regionalen Entwicklungen: es wurden stets auch westfälische Künstler präsentiert wie z.B. in der Ausstellung ABSTRAKTE MALEREI IN WESTFALEN im Herbst 1958. Peter Leo, damaliger Geschäftsführer des Westfälischen Kunstvereins, zeigte u.a. Werke des ehemaligen Bauhaus-Schülers JOSEF ALBERS und griff damit dessen erst später einsetzender internationaler Anerkennung voraus. Auch war es Leo möglich, 1960 aus dem Amsterdamer Stedelijk Museum Gemälde von VINCENT VAN GOGH und PIET MONDRIAN zu entleihen – für eine Ausstellung unter dem allerdings etwas fragwürdig anmutenden Titel EXPRESSIONISMUS IN HOLLAND. Auch der Nachfolger Leos, Dieter Honisch, war der Moderne verpflichtet. In Einzelausstellungen zeigte er z.B. OSSIP ZADKINE (1964) oder ERNST WILHELM NAY im selben Jahr. Einige der von Honisch präsentierten Werke, darunter Bilder von NAY und VICTOR VASARELY, wurden vom Landesmuseum angekauft und erweitern damit die vom Westfälischen Kunstverein gegründete Sammlung. Honisch vertiefte die Verbindung des Kunstvereins zu JOSEF ALBERS, als er diesen 1961, anlässlich der drei Jahre zuvor wieder aufgenommenen „Jahresgabe“, zu seinem ersten Siebdruck anregte. Nur wenige Interessierte erwarben damals das Blatt zum Preis von 5,- DM.

Mitte der 1960er Jahre wurde der Nachholbedarf an moderner Kunst abgelöst zugunsten eines offensiveren, gegenwartsbezogeneren Programms; zudem nahm der Kunstverein durch vereinzelte Ankäufe von zeitgenössischen Werken seine Sammlertätigkeit wieder auf. Ein Höhepunkt dieser Zeit war die Ausstellung TENDENZEN STRUKTURALER KUNST, die Jürgen Wißmann 1966 realisierte. Gezeigt wurden 55 Gemälde und Plastiken, u.a. von JEAN ARP, ANTONIO CALDERARA und AUGUSTE HERBIN. Das Programmspektrum schließt seit dieser Zeit auch andere mediale Kunstformen ein wie die visuelle Poesie, zu sehen 1969 – deutschlandweit erstmalig im Museumskontext – in der gleichnamigen Ausstellung unter der Leitung von Friedrich Wilhelm Heckmann. Andere Veranstaltungen konzentrierten sich auf das Medium Fotografie, um dessen damals noch nicht selbstverständliche Kunstwertigkeit zu verdeutlichen.

Im Zuge dieser Entwicklungen gewann der Westfälische Kunstverein eine die regionalen Grenzen sprengende Aufmerksamkeit. Die Anerkennung seiner Arbeit in der überregionalen Tagespresse und internationalen Fachzeitschriften etablierte zunehmend seine Reputation in der Kunstszene.

Von den 1970er Jahren bis heute

Mit der Fertigstellung des Neubaus des Westfälischen Landesmuseums 1971 bezog man ein Jahr später neue Räume und damit den ersten eigenen Ausstellungsort des Westfälischen Kunstvereins. Die progressiven Projekte des Geschäftsführers Klaus Honnef sicherten dem Kunstverein eine durchsetzungsstarke Position auf dem Feld der Gegenwartskunst. Von seinen zahlreichen Initiativen seien hier nur einige markante Ausstellungen genannt: im Herbst 1971 wurden in ARTE CONCRETA Werke des italienischen Konstruktivismus gezeigt; nach mehreren Einzelausstellungen setzte Honnef im Frühjahr darauf das Projekt DAS KONZEPT IST DIE FORM um, mit Werken von u.a. LAWRENCE WEINER, dem er später, wie auch anderen Künstlern der Gruppenausstellungen, eine eigene Präsentation widmete. Weitere Einzelausstellungen zeigten SIGMAR POLKE (1973) und JÖRG IMMENDORF (1973). In seiner letzten Konzept-Initiative als Geschäftsführer stellte Honnef im Frühjahr 1974 Werke von ULRICH ERBEN, RAIMUND GIRKE, WINFRIED GAUL u.a. unter dem Titel GEPLANTE MALEREI vor.

Entgegen der generell abfallenden Konjunktur der Kunstvereine konnte der Westfälische Kunstverein eine rapide steigende Mitgliederzahl zu Beginn der 1970er Jahre verbuchen; das „Handelsblatt“ bezeichnete ihn 1973 als einen „Kulminationspunkt auf dem Felde der Kunstvermittlung unserer Tage“. Seit 1972 hatte der Geschäftsführer zudem regelmäßige Jazz-Konzerte in das Programm aufgenommen, hinzu kam ein Jahr später die Initiative des Filmclubs, die in der folgenden Zeit das nicht vorhandene ‚Kommunale Kino’ ersetzte, heute jedoch in den Kinosälen der Stadt weitergeführt werden kann. Die geschäftsführende Nachfolge Honnefs trat 1975 Herbert Molderings an, der in zahlreichen seiner Projekte die Fotografie in den Mittelpunkt stellte wie in der Präsentation des Werks von FLORENCE HENRI (1976); zudem wurde der Förderpreis des Jahres 1976 erstmals für Fotografie vergeben. Die bisher weitaus höchste Besucherzahl erreichte GUERNICA. KUNST UND POLITIK AM BEISPIEL GUERNICA. PICASSO UND DER SPANISCHE BÜRGERKRIEG: insgesamt 22.400 Besucher sahen die Ausstellung von Oktober 1976 bis Januar 1977. Molderings wandte sich weiteren politischen Themen zu, indem er z.B. 100 CHILENISCHE PLAKATE AUS DER ZEIT DER REGIERUNG ALLENDE 1970-73 der Öffentlichkeit zugänglich machte. Auch diese Veranstaltung wurde rege frequentiert, doch entwickelten sich hartnäckige interne Kontroversen über eine potentielle Politisierung des Westfälischen Kunstvereins.

1978 bis 1985 übernahm Thomas Deecke die Institutsleitung, in dessen Amtszeit das 150jährige Jubiläum des Vereins im Jahre 1981 fiel. Aus diesem Anlass gestaltete er die Ausstellung AVANTGARDEN RETROSPEKTIV, einen Rückblick auf die Höhepunkte bisheriger Präsentationen des Westfälischen Kunstvereins, die in Absprache mit den vorherigen Geschäftsführern organisiert wurde. Darüber hinaus verwirklichte auch Deecke ein ehrgeiziges Programm zugunsten avantgardistischer Gegenwartskunst, ablesbar an Ausstellungen wie REBECCA HORN, DER EINTÄNZER (1979) oder SPRACHEN JENSEITS VON DICHTUNG im selben Jahr; später folgten ROMAN OPALKA (1981), STEPHAN HUBER. DAS GOTTESREICH FLIEGT: DER KUNSTVEREIN TANZT und VIDEOKUNST IN DEUTSCHLAND, beide im Jahr 1982. Das Medium Fotografie thematisierte Deecke mit Arbeiten von BOYD WEBB (1982); aus dem Bereich zeitgenössischer Bildhauerei waren CARL ANDRE (1984) und MICHELANGELO PISTOLETTO (1983) mit Skulpturen und Objekten zu sehen. Einen weiteren wichtigen Künstler gewann Deecke mit JÜRGEN PARTENHEIMER, der Zeichnungen unter dem Titel DER ORT DES BOGENS (1984/85) ausstellte.

Anschließend an die Sammlungstradition des Kunstvereins, gründete die nachfolgende Geschäftsführerin Marianne Stockebrand durch den Ankauf von Papierarbeiten eine neue Sammlung des Westfälischen Kunstvereins mit Gegenwartskunst. Die meisten dieser Erwerbungen gehen aus Ausstellungen des Vereins hervor, so dass die Wiederaufnahme der Sammlertätigkeit sich heute in den Blattserien etwa von SOL LEWITT und CHRISTA NÄHER oder Aquarellen von GERHARD RICHTER dokumentiert.

Die Ausstellungen unter der Ägide Stockebrands gingen einem breiten Spektrum verschiedener Kunstformen nach, das Fotografie (CINDY SHERMAN, 1985/86) und Zeichnung (EDWARD RUSCHA, 1986), Wandmalereien (GÜNTHER FÖRG, 1986) und Skulpturen (KATHARINA FRITSCH. NEUE SKULPTUREN, 1989) ebenso umfasste wie Werke aus den Bereichen Architektur und Design.

Ein spezielles Interesse ihrer Tätigkeit im Westfälischen Kunstverein galt klassischen Positionen des Minimalismus, dem insbesondere auch Ausstellungen mit BARNETT NEWMAN (1986), FRED SANDBACK. VERTICAL CONSTRUCTIONS (1987) und SOL LEWITT. WALLDRAWINGS (1987) entsprachen. In WASSERFARBENBLÄTTER (1985) präsentierte Stockebrand neben anderen JOSEPH BEUYS und GERHARD RICHTER; Fotoarbeiten von BRUCE NAUMAN, SIGMAR POLKE, ANDY WARHOL u.a. brachte sie 1988 unter dem Titel ANSICHTEN zusammen. Weitere maßgebliche Künstler zeigte sie in Einzelausstellungen von GEORG HEROLD (1986), JEFF WALL (TRANSPARENCIES, 1988) oder CHRISTA NÄHER mit NEUE BILDER (1988/89).

Der Geschäftsführer Friedrich Meschede widmete verschiedenen Ansätzen der Installationskunst besondere Aufmerksamkeit. Diesem Interesse kam er nach in Projekten mit ULRICH GÖRLICH (FOTOINSTALLATION, 1990/91) und HUBERT KIECOL (1990/91); 1992 waren JESSICA STOCKHOLDER zu sehen sowie eine Arbeit von ELLSWORTH KELLY im Lichthof des Altbaus. Im Rahmen des Ausstellungszyklus’ „Malerei der Gegenwart“ zeigte Meschede 1990 HOLGER BUNK mit gemalten Installationen und Papierarbeiten; im gleichen Jahr wurde die Malerei von GÜNTER UMBERG vorgestellt. Eine markante Präsentation aus dem Bereich der Skulptur war die Arbeit FOR TWO ROOMS, die RONI HORN 1991 für Münster konzipierte.

Das innovative Konzept Meschedes äußerte sich auch darin, Künstlern wie ILONA RUEGG (DIE RÄNDER DER GEGENWART, 1990) und HERMANN PITZ (PANORAMA, 1991) erstmals in Deutschland ein Forum für Einzelausstellungen zu bieten.

Der nachfolgende Institutsleiter Heinz Liesbrock brachte mit SAMMLUNG AUF PAPIER DES WESTFÄLISCHEN KUNSTVEREINS (1996) erstmals den neueren Besitz des Kunstvereins aus dem Lager an die Öffentlichkeit. Andere Projekte widmeten sich aktuellen Tendenzen der Architektur: die Ausstellungen DIE NEUE STADT: ROTTERDAM IM 20. JAHRHUNDERT. UTOPIE UND REALITÄT (1993) und ARCHITEKTURBÜRO BOLLES/WILSON (1993/94). Vertreter der Malerei wie EDWARD HOPPER, AD REINHARDT oder GIORGIO MORANDI waren zu sehen in FRAGEN AN VIER BILDER (1993); in Einzelausstellungen wurden RICARDO SARO (1994) oder DAVID REED (1995/96) gezeigt.

Seit November 1999 oblag die Geschäftsführung des Vereins Susanne Gaensheimer. Ihr erstes Projekt INSIDE-OUT, eine Gruppenausstellung mit Werken von TILO SCHULZ, APOLONIJA SUSTERSIC und NATHAN COLEY, bildete den Auftakt zu einem inhaltlich und formal veränderten Programm der Institution, das sich konzentriert auf den Produktionsprozess neuer Arbeiten einerseits, sowie auf die Kommunikation mit dem Publikum, der Diskussion ausgewählter Themen auf der anderen Seite. Dieses Konzept manifestiert sich in Künstlergesprächen und Vorträgen, die begleitend zu jeder Ausstellung angeboten werden und in weiteren Veranstaltungen wie dem Kongress WHERE IS THE CENTER?, der im Juni als Pendant zur Ausstellung REAL PLACES veranstaltet wurde. Zudem wird die Zusammenarbeit mit TILO SCHULZ weitergeführt in dem Projekt SUNRISE OVER THE YELLOW STRIPES, einer Veranstaltungsreihe, die vom Künstler im Rahmen der Ausstellung INSIDE-OUT konzipiert wurde und geschlechtsspezifisch kodierte Themen westlicher Gesellschaften zur Diskussion stellt, um deren stereotype Deutungsmuster zu hinterfragen. Der Künstler stellt Gäste verschiedenster Provenienz vor, die sich in variierenden Medien zu ausgewählten Themen äußern, so etwa in Vorträgen und Diskussionen zu HOMOSEXUALITÄT UND ÖFFENTLICHER RAUM oder FRAUEN UND FUSSBALL oder einem Konzert, das sich über die Verbindung von Musik und moderiertem Gespräch dem Phänomen des historischen Cowboys nähert.

Im Jahr 2001 übernahm Carina Plath das Amt der Direktorin des Westfälischen Kunstvereins. Sie realisierte in den folgenden Jahren u.a. Einzelausstellungen mit PAWEL ALTHAMER, WILHELM SASNAL, GUSTAV METZGER und MARTIN BOYCE sowie Gruppenausstellungen, die der Frage nach dem Verhältnis von ästhetischen und sozialen Aspekten in der Kunst nachgingen. 2007 war Plath als assoziierte Kuratorin im Team mit Brigitte Franzen und Kasper König an den skulptur projekten münster 07 beteiligt. Der Westfälische Kunstverein wurde 2008 unter Plaths Leitung mit dem Preis für deutsche Kunstvereine des ADKV auf der Art Cologne ausgezeichnet.

Die Kuratorin Katja Schroeder folgte zum 1. Januar 2010 als Leiterin des Westfälischen Kunstvereins. Sie führte damit das Programm fort, das sie bereits seit Anfang 2009 in Elternzeitvertretung von Carina Plath verantwortete.

Seit 2009 war der Westfälische Kunstverein mit Abriss und Neubau des Landesmuseums ohne festen Ausstellungsraum. Katja Schroeder zeigte an stetig wechselnden Orten Ausstellungen u.a. mit PEGGY FRANCK, ALICJA KWADE, MAYA SCHWEIZER, SIMON DENNY und YORGOS SAPOUNTZIS sowie thematische Gruppenausstellungen, die sich anhand internationaler Künstlerpositionen mit der Flüchtigkeit kultureller Verortung, dem Begriff des Modells, der Frage nach der Vermittelbarkeit von Kunst oder der Unzulänglichkeit der Realität befassten.

Nach einer vierjährigen Phase der mobilen Programmgestaltung konnte der Westfälische Kunstverein im März 2013 die Räumlichkeiten an der Rothenburg im Museumsneubau beziehen und hat seitdem einen eigenen Besuchereingang. 

Seit Januar 2013 leitet Kristina Scepanski als Direktorin den Westfälischen Kunstverein. Sie zeigte Einzelausstellungen von LIZ MAGIC LASER, VIRGINIA OVERTON, PETER WÄCHTLER, NICOLAS PARTY, CAMILLE HENROT, MAGALI REUS und JON RAFMAN, sowie die Gruppenausstellungen "There's no place like home", "Kultur und Freizeit", "wiederholen" und "Para/Fotografie". In der an den Kunstverein angrenzenden 'Galerie der Gegenwart' realisierte Scepanski eine Ausstellung der Künstlerin KRISTINA BERNING und machte den ursprünglich als Schaufenster konzipierten Raum erstmals für Besucher begehbar.
Zusammen mit Dr. Marianne Wagner, Kuratorin für Gegenwartskunst am Landesmuseum, entwickelte Kristina Scepanski dort ab Herbst 2015 die Ausstellungsreihe RADAR, in der aktuelle Positionen jüngerer noch weitgehend wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler gezeigt werden. Mit RADAR vermittelt die Galerie der Gegenwart erstmals räumlich, konzeptuell und inhaltlich zwischen den beiden Institutionen. Während der Laufzeit der Ausstellungen ist der Raum über den Kunstverein begehbar.

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F  +49  251  45 479
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