RADAR: Lulu MacDonald

 

 

„Paper, Snow, A Ghost“

 

3. Februar – 15. April 2018

Eröffnung

Freitag, 2. Februar 2018 um 19 Uhr
(parallel zur Eröffnung von Slavs and Tatars)

AusstellungsortGalerie der Gegenwart
Zugang über den Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30,
48143 Münster
ÖffnungszeitenDienstag-Sonntag von 11-19 Uhr
Eintrittfrei

 

Eigens für die Galerie der Gegenwart hat Lulu MacDonald (*1991, GB) unter dem Titel „Paper, Snow, A Ghost“ eine Installation erarbeitet, die das Verhältnis von Raum und Fläche ins Zentrum rückt. Die Arbeit löst die Grenze zwischen Fläche und Skulptur auf und erzeugt damit ein Spannungsfeld zwischen alltäglicher Infrastruktur und Kunstobjekt. Die papierene Tapete, die die gesamten Wandflächen des Galerieraumes bedeckt, fungiert in zweierlei Hinsicht als Ausgangspunkt für künstlerische Überlegungen: Zum einen im räumlichen Sinne, indem sie physisch die Wandfläche markiert, von dem aus sich die Arbeit in alle Richtungen ausbreitet. Zum anderen verortet das Material Papier den Beginn der Arbeit in den klassischen Entwurfstechniken wie der Skizze, der Zeichnung oder der Druckgrafik. Die zweite Ebene der Wandgestaltung, die schwarze Plotterfolie, dringt nur minimal in den Raum vor, jedoch dynamisch und dominant über die Flächen hinweg. Schwarze Linien auf der weißen Tapete lassen an Tattoos auf Haut oder Tuschezeichnungen denken. Und so wie eine Tätowierung einen bestimmten Ort auf der Haut eines Menschen besetzt, aktiviert das Ornament Bereiche auf der Wandfläche. Die darüber liegende Ebene, aus Mahagoni und Multiplex gefräste Silhouetten von Blumen in Vasen, übertritt die Schwelle in die dritte Dimension. Auch die von der Wand gelöste Säule aus getrockneten Samtgras-Köpfen greift mittels des organischen Materials das Blumenmotiv auf. Mit der Verwendung des Samtgrases rekurriert die Künstlerin auf ihre eigene Herkunft: Aufgewachsen auf Jersey, einer Insel im britischen Kronbesitz, erlebte sie viele Jahre den jährlich wiederkehrenden „Battle of Flowers“. Bei diesem Umzug, für den die Bürger große Wagen mit Unmengen von Blumen verzieren, kommt das dort heimische und gut zum Färben geeignete Samtgras besonders oft zum Einsatz. Ausgehend von den Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Elementen und ihrer Setzung in den Raum, spielt MacDonald hier auch auf die mit Blumen verbundenen Gesten des Schenkens und Empfanges an, und berührt so den zwischenmenschlichen Raum. Mit den Blumen wählt sie zudem ein zugängliches, alltägliches Motiv, das als Stillleben einen roten Faden durch die Geschichte der Kunst zieht. Die locker ausgeschnittenen Einzelformen und ihre Setzung auf der Tapete lassen dabei an Scherenschnitte und Interieurszenen von Henri Matisse denken. Ganz nach seinem Vorbild löst MacDonald im fließenden Übergang zwischen Zwei- und Dreidimensionalität hier die Hierarchie zwischen Vorder- und Hintergrund auf, was der Installation eine Leichtigkeit beschert. Lulu MacDonald lebt und arbeitet in Hamburg. Dort hat sie im vergangenen Jahr ihr Bildhauerstudium an der Hochschule für bildende Kunst (HfbK) abgeschlossen.

 

 

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Eline van Dijk und Jenni Henke. 

 

Foto: LWL/Anne Neier 

 

 

Eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins in der Galerie der Gegenwart

 

Seit 2015 zeigen das LWL-Museum für Kunst und Kultur und der Westfälische Kunstverein in Kooperation aktuelle Positionen jüngerer noch weitgehend wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler in der Galerie der Gegenwart. Die gemeinsame Ausstellungsreihe läuft unter dem Titel RADAR.

Der Name der Ausstellungsreihe RADAR verweist auf die Beobachtung anregender Kunstproduktionen. Die ausgestellten Werke geben Einblicke in ein aktuelles Arbeits- oder Interessensfeld, ohne die Entwicklung eines Gesamtwerks bereits ins Blickfeld zu rücken. Damit sind das Experimentieren, Scheitern und Erproben wichtige Aspekte des kooperativen Konzepts zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Westfälischen Kunstverein. Mit RADAR vermittelt die Galerie der Gegenwart erstmals räumlich, konzeptuell und inhaltlich zwischen den beiden Institutionen. Während der Laufzeit der Ausstellungen ist der Raum über den Kunstverein begehbar. Die Galerie wird somit nicht nur als Schaufenster genutzt, sondern kann sowohl von innen als auch von außen betrachtet werden. Der Eintritt ist frei.  


Mit Unterstützung von


Veranstaltungen

Kuratorinnenführung:
Freitag, 9. Februar 2018 um 20 Uhr

Künstlerinnengespräch:
Dienstag, 27. Februar 2018 um 19 Uhr

 

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