„Einmal Empire und zurück“

12. August — 3. Oktober 2006

„Einmal Empire und zurück“ will einen neuen Blick auf die Globalisierung werfen. In der aktuellen Kunstentwicklung ist zum einen eine Nomadisierung von Künstlern und Künstlerinnen zu beobachten: Kunst ist global ausgerichtet, und die internationalen Biennalen bringen dieselbe zeitgenössische Kunst auf jeden Kontinent. Zugleich hat sich die Kenntnis von Kunst aller Erdteile in Medien und Ausstellungsbetrieben verbreitet. Sieht man genauer hin, muss man jedoch feststellen, dass die Verständigung über das, was Kunst in verschiedenen Kulturen sein kann, weniger Raum einnimmt, als ein von westlichen Ländern dominierter Kunstmarkt, der wie andere Wirtschaftsfaktoren auf globaler Ebene handelt. Mit dem Ausstellungsprojekt im Kunstverein, zu dem internationale Künstler und Künstlerinnen eingeladen sind, wird die Bewegung von lokal zu global und umgekehrt beobachtet. Wie wirkt sich die Globalisierung global aus, inwiefern sehen Künstler diese Auswirkungen kritisch, inwieweit nutzen sie sie als Energie für Ihre eigene Kunst?

Ein Beispiel ist die Arbeit von Surasi Kusolwong, der den großen Markt von Billigwaren in Thailand nutzt, um bunte Basare zu entwerfen und die farbvolle Energie in den Ausstellungsraum zu transportieren. Der Stempel des Thai-Künstlers wird auf fröhliche und subversive Art gewendet. Sowohl Michael Blums Verfolgung des Herstellungs- und Transportwegs seiner Turnschuhe als auch Tobias Rehbergers Auftrag an afrikanische Bildhauer, Designerstühle nach seinen Angaben nachzubauen, beschreiben die aktuelle Bewegung und Reichweite der Spannung von global und lokal. Wang Jianwei beobachtet das Geschehen in China als hingebungsvoller und detailgenauer Chronist – die Bauern, die er am Rande der Großstadt beobachtet, haben ihren Lebensstil bewahrt, wenn auch in einer trostlosen Betonruine. Die chinesische Künstlerin Cao Fei dagegen trägt die globale Sprache des Hip Hop zurück in die Schicht in Shanghai, der sie diese Musik zuordnet, und filmt deren Wiederaneignung dieser Zeichensprache. Der Franzose Pascal Lièvre zeigt in seinem Musikvideo die zynische Ambivalenz von informierten Westeuropäern zwischen Luxuswelt und globalem Bewusstsein. Der deutsche Maler Uwe Ehrngruber zeichnet sich dagegen durch das Beharren auf der Besonderheit des Lokalen aus – seine kleinen und dichten Formate mit Fragmenten norddeutscher Architektur und Bäumen fangen die eigene Stimmung der hiesigen Stadtlandschaft ein.

Die Ausstellung zeigt so künstlerische Positionen, die sich in der Bewegung von lokal und global verorten und weniger Standorte einnehmen, als Kommentare geben zu einer Beschleunigung, die wir alle teilen und deren differenzierte Folgen wir zu fürchten und zu schätzen gelernt haben.

Zur Ausstellung und dem begleitenden futurologischen Kongress (17.-19- November) wird eine Publikation erscheinen (dt./engl.), ca. 76 Seiten.

Veranstaltungen

Eröffnung
Freitag, 11. August um 19 Uhr
Begrüßung: Ursula Franke
Einführung: Carina Plath

Dritter Donnerstag
Donnerstag, 17. August um 18.30 Uhr
Gespräch in der Ausstellung
 
um 20 Uhr
Künstlergespräch mit Cao Fei

Nacht der Museen und Galerien

Samstag, 2. September von 19 bis 22 Uhr
Kunst aus der Tasche
, Prinzipalmarkt

mit Künstlerfest
u.a. Surasi Kusolwong, 
1Euro Market, Performance, 2006

 
Dritter Donnerstag
Donnerstag, 21. September um 18.30 Uhr
Gespräch in der Ausstellung

um 20 Uhr
Atelierbesuch bei Uwe Ehrngruber
Fresnostraße 8
Treffpunkt: Eingang Landesmuseum mit Fahrrad