RADAR: Kate Andrews

 

 

„Unfeigned Hoax, Veritable Nonsense“

 

24. Oktober 2020 – 17. Januar 2021

Eröffnungstag

Samstag, 24. Oktober, 11-19 Uhr
(parallel zu Camilla Steinum im Westfälischen Kunstverein)

AusstellungsortRADAR
Zugang über den Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30,
48143 Münster
Öffnungszeiten

Dienstag-Sonntag von 11-19 Uhr

Gemäß der Coronaschutzverordnung des Landes NRW bleibt die Ausstellung im Zeitraum vom 2. November 2020 bis zum 30. November 2020 leider geschlossen.

Eintritt

frei

 

 

Für die 16. Ausgabe der Projektreihe RADAR installiert die Künstlerin Kate Andrews großformatige und kleinformatige Zeichnungen sowie ein Netz aus Seilen. Ihr Ausstellungstitel „Unfeigned Hoax, Veritable Nonsense“ beschreibt einen Zustand, dem wir vor allem in den Medien täglich begegnen. Er kann als eine zweischneidige und bisweilen verfängliche Formulierung übersetzt werden. Mit dem Wortlaut „Ungetäuschter Schwindel, Wahrhaftiger Unsinn“ führt Andrews eine bildnerische Auseinandersetzung über die Unterscheidung von Fakten und Informationsmengen, die auf uns einströmen.

 

In den Zeichnungen überträgt Andrews Informationsflüsse mittels Markierungen wie Kreise, Striche oder Kennzeichnungen mit dem Buchstaben X auf Papier. Die durch das Format festgelegte Bildfläche verdichtet sich durch die Addition jeder Spur, verstärkt gewisse Elemente oder verdeckt Ordnungsstrukturen. Indem Andrews Verwirrung und Irritation hervorruft, führt sie mit ihren Zeichnungen die Unfähigkeit vor, sich eine klare Vorstellung von der Realität zu machen. Der Bildträger wird, den virtuellen Informationsplätzen gleich, zur Plattform von Täuschungsmanövern und Agitationen. Mit Graphit übereinander angelegte Ebenen verdichten die Bildinformation und lassen sie unübersichtlicher werden. Wir „sehen“ viel, aber erkennen wenig.Während die Großformate komplex und unübersichtlich sind in ihrer Struktur, fassen in den kleineren Zeichnungen der Serie „Soft Split“ zart-rosarote Klebestreifen ein konzentriertes Bildelement in der Mitte der Blätter ein. Durch die Auflage eines zweiten, dünneren Papiers schichtet die Künstlerin die Motive so übereinander, dass sie auch in ihrer physischen Dimension einer Anhäufung von Daten gleichen. Die unten liegenden Zeichen skizziert sie im Verlauf dieses Vorgangs zuerst nach, um sie anschließend etwas zu verrücken. Dissonanz entsteht, Klarsicht weicht dem Unvermögen, einzelne Tatsachen oder Bildeinheiten voneinander zu unterscheiden. Mit Verschieben geht Verunklären einher. Mit dieser Methode bringt Andrews jedoch auch die unteren Schichten nach oben und lässt mittels der Materialeigenschaften des Transparentpapiers ein Diffundieren und Durchscheinen zu. Somit entstehen dichte Vernetzungen, was die Künstlerin wortwörtlich auch in einem geknoteten Netz verbildlicht. Das Zeichen wird mit dem Netz zum Bezeichneten, Bild und Wort fallen zusammen. Zusammen mit den Zeichnungen an der Wand installiert die Künstlerin das Netz von der Decke herabhängend als Objekt im Raum. Sie hat es mit unterschiedlich starken Seilen händisch und mit großem Zeitaufwand zusammengefügt. Mit dieser Technik huldigt sie geradezu die Entschleunigung und setzt ein Gegenbild zur schnelllebigen Informationsflut. Und damit wirft Kate Andrews auch ein Netz von Fragen auf, für die wir prüfen müssten, ob wir den einzelnen Strängen und Narrationen noch folgen können oder uns im Netz „verheddern“.

 

Kate Andrews (*1992 in Toronto) studiere von 2016 bis 2020 bei Professor Stephan Baumkötter an der Hochschule für Künste, Bremen freie Kunst. Zuvor studierte sie an der Concordia University, Montreal und an der University of Guelph, Ontario, wo sie ihren Bachelor in Major Studio Art machte. Sie lebt und arbeitet in Bremen.

 

Fotos: LWL/Hanna Neander

 

 


Künstleringespräch

Das für Samstag, den 21. November 2020 geplante Gespräch mit Kate Andrews und den Kuratorinnen Jenni Henke, Kristina Scepanski und Marianne Wagner muss leider verschoben werden.

Wir kündigen den Nachholtermin hier sowie per Newsletter an. 


Eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins.

 

Seit 2015 zeigen das LWL-Museum für Kunst und Kultur und der Westfälische Kunstverein in Kooperation aktuelle Positionen jüngerer Künstlerinnen und Künstler. Der Name der Ausstellungsreihe RADAR verweist auf die Beobachtung anregender Kunstproduktionen. Die ausgestellten Werke geben Einblicke in ein aktuelles Arbeits- oder Interessensfeld, ohne die Entwicklung eines Gesamtwerks bereits ins Blickfeld zu rücken. Damit sind das Experimentieren, Scheitern und Erproben wichtige Aspekte des kooperativen Konzepts zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Westfälischen Kunstverein. Der Schaufenster-Raum RADAR vermittelt erstmals räumlich, konzeptuell und inhaltlich zwischen den beiden Institutionen. Während der Laufzeit der Ausstellungen ist RADAR über den Kunstverein begehbar. Der Ausstellungsraum wird somit nicht nur als Schaufenster genutzt, sondern kann sowohl von innen als auch von außen betrachtet werden. Der Eintritt ist frei.  


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