RADAR: Paula Fröhlich

 

 

„Loop“

 

22. Februar – 19. April 2020

Eröffnung

Freitag, 21. Februar um 19 Uhr
(parallel zur Eröffnung von „The Black Wave“ im Westfälischen Kunstverein)

AusstellungsortGalerie der Gegenwart
Zugang über den Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30,
48143 Münster
ÖffnungszeitenDienstag-Sonntag von 11-19 Uhr /
* Die Ausstellung ist als Schaufensterpräsentation von außen zu sehen. *
Eintrittfrei

 

 

 

 

Paula Fröhlich (*1994) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den Bedingungen, Räumlichkeit zu konstruieren. Sie eignet sich einen realen Raum an, indem sie von diesem ausgehend einen Bildraum organisiert. Spiegel, Flächen und Linien sind in der künstlerischen Umsetzung für die RADAR-Reihe ihre bevorzugten Mittel, um den auf den Ausstellungsraum reagierenden Bildraum zu aktivieren. Ausgehend vom Standpunkt der Betrachtenden und den tageszeitabhängigen Lichtverhältnissen entsteht ein spannungsgeladenes Wechselverhältnis, in welchem sich der reale und der konstruierte Raum bedingen und unaufhörlich durchdringen.

Räumlichkeit umfasst die Bestimmbarkeit von Nähe und Distanz sowie von Flächigkeit und Tiefe. Sobald eine Fläche durch eine dritte Koordinate erweitert wird, kann diese als Tiefe gelesen werden und erzeugt ein perspektivisches Verhältnis zur Fläche. Erst diese dritte Koordinate lässt die Wahrnehmung von Räumlichkeit zu. Doch ist eben dieser Moment der Raumwahrnehmung keineswegs konstant, sondern standpunktabhängig und folglich von flüchtiger Natur. Davon ausgehend konstruiert Paula Fröhlich in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung zwar physisch erfahrbare Raumeindrücke, die aber immer wieder auf ihre materielle Zweidimensionalität zurückverweisen. Mit diesem Ansatz entlarvt sie vorsätzlich die Konstruiertheit jener Räumlichkeiten und distanziert sich bewusst von der Tradition illusionistischer Bildraummalerei. 

Durch den gezielten Einsatz von Linien und farbigen Flächen erzeugt die Künstlerin für „Loop“ eine Wiederholung der Ausstellungsarchitektur – im Raum und im Bild. Die strategische Anbringung von Spiegelflächen treibt jenes Spiel um Fläche und Tiefe zusätzlich auf die Spitze: Der reale Raum spiegelt sich, verweist nicht nur auf sich selbst, sondern wird auch zum Abbild und geht dadurch in eine Flächigkeit über. Der Transformationsprozess zwischen Dreidimensionalität und Zweidimensionalität bedingt sich selbst und wiederholt sich unentwegt.

Als weitere Komponente bezieht die Künstlerin auch das beinahe wandfüllende Fenster der Galerie der Gegenwart mit ein. Es liegt der Längsseite der Ausstellungswand gegenüber und stellt die jungen Kunstschaffenden der RADAR-Ausstellungen vor eine besondere Herausforderung. Paula Fröhlich macht sich dessen transparente und bisweilen stark reflektierende Eigenschaft zunutze, indem sie es als durchscheinende Barriere zwischen Innen und Außen mitdenkt und zu einem unabdingbaren Element in ihrer künstlerischen Ausarbeitung erklärt. Im Blick von Außen ist je nach Sonnenstand eine Reflexion und folglich eine Verdopplung des Außenraumes auf dem Fensterglas zu beobachten. Zusätzlich erzeugt die Sonne ihre eigenen Flächen im Spiel um Licht und Schatten auf den Wänden des Ausstellungsraumes.  

„Loop“ ist ein materialisiertes Gedankenexperiment. Es reagiert auf die bereits gegebenen Spiegelungen, Flächen und Perspektiven des faktischen Außen- und Innenraumes und potenziert diese durch das Hinzufügen weiterer Spiegel, Flächen und Perspektiven an den Wänden. Paula Fröhlich offeriert den Betrachtenden je nach Standpunkt und Tageszeit immer wieder neue Möglichkeiten, Räumlichkeiten in der Verschränkung von Innen und Außen wahrzunehmen, und konfrontiert sie in der Spiegelung gleichzeitig mit sich selbst. So versteht Fröhlich den Spiegel als materiellen Inbegriff von Reflexion: mit sich selbst, mit dem physischen, bildnerischen und metaphysischen Raum.

 

Paula Fröhlich (*1994, Bensberg bei Köln), studiert Freie Kunst an der Kunstakademie Münster und wurde 2019 von Prof. Klaus Merkel zur Meisterschülerin ernannt.

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Franziska Kunze und Anna Luisa Walter

 

 

 

 

Foto: LWL/Hanna Neander 

 

 

 

 

 

 

Mit Unterstützung von


Künstleringespräch

Freitag, 6. März um 18 Uhr

 

 


Eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins in der Galerie der Gegenwart

 

Seit 2015 zeigen das LWL-Museum für Kunst und Kultur und der Westfälische Kunstverein in Kooperation aktuelle Positionen jüngerer noch weitgehend wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler in der Galerie der Gegenwart. Der Name der Ausstellungsreihe RADAR verweist auf die Beobachtung anregender Kunstproduktionen. Die ausgestellten Werke geben Einblicke in ein aktuelles Arbeits- oder Interessensfeld, ohne die Entwicklung eines Gesamtwerks bereits ins Blickfeld zu rücken. Damit sind das Experimentieren, Scheitern und Erproben wichtige Aspekte des kooperativen Konzepts zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Westfälischen Kunstverein. Mit RADAR vermittelt die Galerie der Gegenwart erstmals räumlich, konzeptuell und inhaltlich zwischen den beiden Institutionen. Während der Laufzeit der Ausstellungen ist der Raum über den Kunstverein begehbar. Die Galerie wird somit nicht nur als Schaufenster genutzt, sondern kann sowohl von innen als auch von außen betrachtet werden. Der Eintritt ist frei.