RADAR: Jonas Justen

 

 

„Plötzlich Vorstand“

 

15. Juni – 18. August 2019

Eröffnung

Freitag, 14. Juni 2019 um 19 Uhr
(parallel zur Eröffnung von L'Intrus REDUX im Westfälischen Kunstverein)

AusstellungsortGalerie der Gegenwart
Zugang über den Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30,
48143 Münster
ÖffnungszeitenDienstag-Sonntag von 11-19 Uhr
Eintrittfrei

Jonas Justen (* 1993, Zell/Mosel) spielt oft mit den Elementen des Innen, der Einrichtung, des Heimischen und Privaten, des persönlichen Schutzraumes. Dabei gelingt es ihm, über eine rein formale Aneignung hinauszugehen und diese Bezüge phänomenologisch erfahrbar zu machen.
Er greift die Formen, Haptik und Funktionen von alltäglich genutztem Mobiliar oder Kleidungsstücken auf, aber bleibt damit immer ganz nah am menschlichen Körper und an subtilen Empfindungen. Justens Skulpturen und Wandarbeiten erinnern an Tische, Stühle, Lampen oder Polster; sie beinhalten oftmals auch gefundene Einzelteile dieser Einrichtungsgegenstände. Wir wissen also intuitiv, wie wir unsere Körper rein räumlich zu diesen Objekten in Beziehung setzen, aber darüber hinaus wecken diese Objekte, durch die Vertrautheit in Material und Form, auch Erinnerungen oder gar wohlig-heimelige bis sentimentale oder mitunter erdrückende Gefühle.
Konfrontiert mit einem sterilen, einschüchternd proportionierten und architektonisch schwierigen Raum wie der Galerie der Gegenwart, beschreibt der Ausstellungstitel am besten Justens erste Reaktion: „Plötzlich Vorstand“. Wie umgehen mit einem Raum, dem eine bestimmte Funktion und Rolle eingeschrieben ist: das Tag und Nacht beleuchtete Schaufenster für Kunst der Gegenwart, einer Bühne, die nach den ganz großen Gesten ruft.
Jonas Justen verdunkelt die Fenster und lässt somit keinen Blick von außen nach innen zu. Ein Stück Seidenstoff ist in der Raumecke drapiert und verweist noch zusätzlich auf diese Entscheidung des Verhüllens. Im Innern des Raums entstehen dadurch sanfte Sonneneinstrahlungen in einer gedämpften Lichtstimmung, die durch seinen Einsatz von farbigen Hüllen für die Neonröhrenbeleuchtung betont wird. Dem Lavendel-Ton der Leuchtstoffröhre wird Lavendelduft zur Seite gestellt, der den Raum modrig-süßlich einhüllt. Einen charakteristischen Geruch steuert auch der Knochenleim bei, den Justen in dreien seiner Werke verarbeitet hat. Er benutzt ihn nicht als Grundierung oder Kleber, sondern wie pastose Farbe auf Leinwand und Holz.
Neben Licht und Geruch besiedeln skulpturale Elemente, Stoffarbeiten und Gemälde den Ausstellungsraum. Allen ist ein gewisser Humor gemein und die Relation zur menschlichen Figur auf die ein oder andere Art: Mal als Leerstelle, die uns den Stoff als Kleidung oder Polster denken lässt; mal als Gegenüber, das uns geraderaus anschaut, wie der Moderator in der Menschenmenge in „RAN“, oder auch als generalisierter Platzhalter, wie die abstrahierte Menschendarstellung im Triptychon „Alte Maschen“. Sie entstammt einem Wikihow-Video, das uns alltägliche Handgriffe, oder hier: das Autofahren, lehrt.

Wir begegnen Werken, die uns mal ein Spiegel sind, und mal die Lücke, die wir vermeintlich auszufüllen vermögen. Justens Raum ködert uns mit seiner Zerrissenheit zwischen einer heimeligen Zurückhaltung und dem darin immer wieder grell aufleuchtenden Abjekten.
Und er fasst es selbst am besten zusammen: „Diese Medien zeigen sich dann mal warm und kalt, glänzend und matt; es duftet, mieft, bläht sich auf und zieht sich zusammen, es lebt also ganz schlicht.“

Jonas Justen hat Philosophie studiert an der Universität Wien und 2018 sein Studium der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen abgelegt. Er lebt und arbeitet in Essen.

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Jenni Henke, Marie Meeth und Kristina Scepanski.

 

Foto: LWL/Hanna Neander


Happening

Freitag, 9. August 2019 um 20 Uhr


Eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins in der Galerie der Gegenwart

 

Seit 2015 zeigen das LWL-Museum für Kunst und Kultur und der Westfälische Kunstverein in Kooperation aktuelle Positionen jüngerer noch weitgehend wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler in der Galerie der Gegenwart. Der Name der Ausstellungsreihe RADAR verweist auf die Beobachtung anregender Kunstproduktionen. Die ausgestellten Werke geben Einblicke in ein aktuelles Arbeits- oder Interessensfeld, ohne die Entwicklung eines Gesamtwerks bereits ins Blickfeld zu rücken. Damit sind das Experimentieren, Scheitern und Erproben wichtige Aspekte des kooperativen Konzepts zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Westfälischen Kunstverein. Mit RADAR vermittelt die Galerie der Gegenwart erstmals räumlich, konzeptuell und inhaltlich zwischen den beiden Institutionen. Während der Laufzeit der Ausstellungen ist der Raum über den Kunstverein begehbar. Die Galerie wird somit nicht nur als Schaufenster genutzt, sondern kann sowohl von innen als auch von außen betrachtet werden. Der Eintritt ist frei.