RADAR: Verena Issel

 

„Aset in Tadmor“

21. Juli - 18. September 2016

EröffnungDonnerstag, 21. Juli 2016 um 
19 Uhr im Westfälischen Kunstverein
AusstellungsortGalerie der Gegenwart, Präsentation im Schaufenster

Für die vierte Ausstellung in der Reihe RADAR haben das LWL-Museum für Kunst und Kultur und der Westfälische Kunstverein die Hamburgerin Verena Issel eingeladen. Eigens für den in Kooperation genutzten Raum zwischen den beiden Institutionen arrangierte die Künstlerin mit „Aset in Tadmor“ eine Installation, welche das große Fenster als Schauseite inszeniert. Die Glasscheibe mimt dabei die vierte Wand. Sie macht aus dem sonst begehbaren Ausstellungsort einen lediglich von außen einsehbaren Schaukasten.

Drinnen herrscht die Farbe Rosa an den Wänden. Auf der Ausstellungsfläche verteilt stehen verschiedenartige Konstruktionen und Objekte, die sich mit einer Schauseite dem Betrachter zuwenden. Sie nehmen formal Bezug zu Schaufensterdekorationen, Bühnenbildern und Kulissenarchitekturen. Die abgestützten Flächen vergegenwärtigen unweigerlich die aufgesetzten Fassaden des Münsteraner Prinzipalmarktes. Auf die hauptsächlich hellgrauen und pastellfarbenen Holzelemente montierte Verena Issel Scheinarchitekturen aus Schaumstoff sowie Fragmente aus verschiedenen Materialien wie beispielsweise braune Plastik-blumenkübel. Mit ihrer kurzen Halbwertsdauer stehen sie im Gegensatz zu dem, was sie darstellen: Antike Säulenformen, Keramikscherben, Torbögen und massive Mauern. Ding und Bedeutung sind nicht eins, alles ist Kulisse. Helle Scheinwerfer erleuchten zusätzlich die Szenerie, die einerseits einer für Touristen hergerichteten, antiken Stätte ähnelt. Andererseits fliegen locker die Fetzen, die Holzelemente gleichen Zielscheiben, das Spielfeld ist zugleich Schlachtfeld. Der Sarkasmus bahnt sich seinen Weg durch den rosafarbenen Raum. 

Fragen nach der Vergänglichkeit historischer Bauwerke und Relikte antiker Kulturen, nach dem Umgang mit zerstörten Stätten, ihrem möglichen Wiederaufbau sowie der Verwahrung von Objekten in Museen dringen durch die Glasscheibe. Mit dem Titel der Ausstellung spielt Verena Issel konkret auf die Unruhen und Bürgerkriege im Nahen Osten und Vorderasien an: „Aset“ ist der mittelägyptische Name der Göttin Isis, der Muttergöttin im altägyptischen Glauben. Je nach Interpretation wird sie mit Zerstörung oder Wiederaufbau in Verbindung gebracht. Die aus dem Altarabischen stammende Bezeichnung „Tadmor“ hingegen bezeichnet noch heute die antike Wüstenstadt Palmyra in Syrien. Die doppelte Wortbedeutung von Isis, dem ersten selbsternannten Islamischen Staat (ISIS: Islamischer Staat im Irak und Syrien) und dessen Verantwortlichkeit für die Zerstörung der antiken Tempelanlage in Palmyra im Sommer und Herbst 2015, war der Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung der Künstlerin.

Mit ihrer Bildsprache und dem gesetzten Titel richtet Verena Issel bittersüß ihren Fokus auf die weitgreifenden Folgen der Zerstörung antiker Stätten: Mit europäischer Distanz, einer durchaus nonchalanten Leichtigkeit befragt sie darüber hinaus auch die Instrumentalisierung, die Verschiebung und den Wiederaufbau historischer Kulturdenkmäler in anderen Ländern und damit die Vorstellung von gesellschaftlicher Identität. 

 

Verena Issel (*1982) lebt und arbeitet in Hamburg. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg sowie Klassische Philologie (Latein und Altgriechisch) an der Universität Hamburg. Reisestipendien und Artist in Residency-Programme führten sie unter anderem nach Taiwan, Südkorea, Japan, Litauen und Papua-Neuguinea. 

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Jenni Henke und Marijke Lukowicz. 

 

Abb.: Verena Issel "Aset in Tadmor", 2016 | Installationsansicht Galerie der Gegenwart | Foto: LWL/Hanna Neander


Eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins in der Galerie der Gegenwart

 

Seit vergangenem Herbst zeigen das LWL-Museum für Kunst und Kultur und der Westfälische Kunstverein in Kooperation aktuelle Positionen jüngerer noch weitgehend wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler in der Galerie der Gegenwart. Die gemeinsame Ausstellungsreihe läuft unter dem Titel RADAR.

Der Name der Ausstellungsreihe RADAR verweist auf die Beobachtung anregender Kunstproduktionen. Die ausgestellten Werke geben Einblicke in ein aktuelles Arbeits- oder Interessensfeld, ohne die Entwicklung eines Gesamtwerks bereits ins Blickfeld zu rücken. Damit sind das Experimentieren, Scheitern und Erproben wichtige Aspekte des kooperativen Konzepts zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Westfälischen Kunstverein. Mit RADAR vermittelt die Galerie der Gegenwart erstmals räumlich, konzeptuell und inhaltlich zwischen den beiden Institutionen.
Die Ausstellung ist Tag und Nacht als Präsentation im Schaufenster zu sehen.


Mit Unterstützung von


Veranstaltungen

Eröffnung
Donnerstag, 21. Juli 2016 um 19 Uhr
im Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30, 48143 Münster

Kunstpause
Donnerstag, 11. August 2016 um 12.30 Uhr
Treffpunkt im Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur

Kuratorinnenführung
Freitag, 12. August um 19 Uhr
Treffpunkt im Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur

Gespräch
Donnerstag, 15. September 2016 um 19 Uhr
„Palmyra is everywhere“
Künstlerin Verena Issel im offenen Dialog mit Archäologin Luisa Goldammer (Universität Münster)
im Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30, 48143 Münster

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